WFV verspielt erneut 1:0-Führung
16.11.15 - Bitterer Spieltag für Bayernligist Würzburger FV: Weil es trotz einer bis in die Schlussphase währenden Führung gegen den SV Seligenporten zu nichts Zählbarem reichte und die Konkurrenz im Tabellenkeller punktete, sind die Zellerauer wieder auf den einzigen direkten Abstiegsplatz zurückgefallen. Die Szene, die das intensive Match zum Kippen gebracht hatte, war ein Platzverweis gegen WFV-Defensivspieler Kevin Dees.
Mit dem Team aus Seligenporten kehrte auch Serdal Gündogan an dei Mainaustraße zurück. Der türkischstämmige Coach der Gäste hat vor über zehn Jahre eine Saison lang für den WFV gespielt, ehe es ihn weiterzog. Das erste Gastspiel als Trainer an alter Wirkungsstätte empfand Gündogan, „als wäre ich nie weg gewesen. Die Stimmung ist noch immer heiß, die Mannschaft wird gepusht. Das hat den WFV immer ausgemacht. Ich hoffe, dass der Verein in der Liga bleibt.“ Gündogan selbst glaubt nach der gezeigten Leistung des Gegners fest daran, die Punkteausbeute spricht indes eine gänzlich andere Sprache. Das ist genau das Dilemma, in dem der WFV seit Wochen steckt.
Reitmaier: „Einfach nur bitter“
„Gut spielt, schön gespielt: Ich kann das Gerede nicht mehr hören. Fußball ist nun mal ein Ergebnissport“, konstatierte Marc Reitmaier sichtlich frustriert: „Wir haben viel investiert und waren gut im Match. Dass es dann so ausgeht, ist einfach nur bitter“, so Reitmaier. Bereits zum dritten Mal in dieser Saison haben die Zellerauer auf diese Weise verloren. Daheim gegen Don Bosco Bamberg, beim VfL Frohnlach und nun eben gegen den SV Seligenporten. Jedes Mal ist der WFV in der ersten Hälfte mit 1:0 in Führung gegangen, jedes Mal verpasste er es in der Folge zu erhöhen, jedes Mal kassierten die Zellerauer in der Schlussphase noch zwei Gegentreffer.
Eben diese neun Punkte fehlen dem Schlusslicht derzeit auf den ersten Nichtabstiegsplatz. Umgekehrt gelang es den Blauen in dieser Saison noch kein einziges Mal, ein Match noch zu ihren Gunsten zu drehen. „Bei allem Positiven, was wir heute gesehen haben, muss man auch festhalten, dass wir den möglichen Sieg am Ende leichtfertig vergeben haben“, konstatierte WFV-Sportleiter Martin Lang: „Wir laufen beim Stand von 1:0 und 1:1 in einen Konter. Das ist ein Stück weit naiv.“
Dabei hatte der Nachmittag an der Mainaustraße vor rund 400 Zuschauern so vielversprechend begonnen. Adrian Istrefi zwang SVS-Keeper Daniel Müller bereits in der dritten Minute zu einer Glanztat. Lars Schmidt köpfte nach einem Droszcz-Freistoß an den Pfosten (17.). Die Klosterer waren zwar präsent, aber nicht wirklich gefährlich. Bei einem vermeintlichen Foul von Marc Hänschke an Patrick Hobsch, Sohn des einstigen Bundesliga-Spielers Bernd Hobsch, der unter anderem für Werder Bremen spielte, hätte es allerdings Strafstoß für den Regionalliga-Absteiger geben können (28.). So blieb es beim 0:0, bis die Zellerauer für den schönsten Spielzug des Nachmittags mit dem Führungstreffer belohnt wurden. Simon Heim ließ mehrere Klosterer stehen wie Slalomstangen und schickte Andreas Ganzinger auf der rechten Außenbahn. Der Co-Kapitän, der in der Defensive diesmal nicht immer auf der Höhe war, flankte weit in den SVS-Strafraum herein. Dort stand Istrefi, der den Ball mit Gefühl ins Tor köpfte – 1:0 (42.).
„Wir haben in der Pause etwas umgestellt und konnten dann mehr Druck entfalten“, sagte Gündogan. Doch mehr als zwei klare Torchancen hatte die WFV-Abwehr zunächst nicht zugelassen. Vielmehr waren die Hausherren nach einem gefährlichen Strafraumlauf von Patrick Hofmann und einem Heim-Abschluss ganz nahe am zweiten Treffer dran. Dummerweise brachte Florian Bauer sein Bein dazwischen (72.). Der SVS-Innenverteidiger sollte in der Schlussphase noch für Furore sorgen. Zunächst zog der nach einer strittigen Szene mit Gelb belastete Dees ein taktisches Foul im gegnerischen Strafraum, der WFV-Abräumer musste vom Feld (77.). In Überzahl schlug die Stunde von Bauer, der mit seinen beiden sehenswerten Treffern die packende Partie quasi im Alleingang kippte (79., 89.). Dazwischen hätte allerdings Droszcz (81.) mit einem Lattenfreistoß und Schmidt (84.) aus vollem Spann dem WFV ein gänzlich anderes Ende bescheren können.
Die Statistik des Spiels
Würzburger FV – SV Seligenporten 1:2 (1:0)
Würzburger FV: Koob – Schömig, Drösler, Hänschke (90. Fischer), Ganzinger – Dees, Droszcz – Schmidt, Istrefi, Heim (83. Tahir) –Hofmann.
SV Seligenporten: Müller – Herzel, Räder, Bauer, Schäf (83. König) – Klose, Neuerer (50. Gajic), Christ, Schwesinger (76. D?Adamo), – Röder, Hobsch.
Tore: 1:0 Istrefi (43.), 1:1 Bauer (79.), 1:2 Bauer (89.). Gelb-Rot: Dees (77., wiederholtes Foulspiel, WFV). Schiedsrichter: Klerner (Lichtenfels). Zuschauer: 403.
ONLINE-TIPP
Zahlreiche Bilder vom Heimspiel des WFV gegen Seligenporten gibt es unter www.mainpost.de/sport/wuerzburg
Bericht: Jörg Rieger (Main-Post)


